Sprachen lernen: Man muss die Sprache leben

Ein Mädchen lernt mit einem Oxford English Dictionary

Heute schreibe ich auf meinem Blog ein paar Worte zum Thema „Sprachen lernen“. Da ich in Zukunft in die Forschung gehen möchte, will ich dieses Thema auch später vertiefen. Doch heute schon fragen mich Bekannte, ob ich denn nun wüsste, wie man Sprachen wirklich lernt. Ich bin angehender Neurologe und kein Sprachwissenschaftler, so viel dazu. Aber eine Antwort habe ich denn parat. Eben, weil ich mich mit diesem Thema selbst beschäftige, kann ich darüber einiges schreiben. Ich war in der Schule eine Niete. Fremdsprachen lernen viel mir schwer, weil meine Lehrer stets wollten, dass ich Grammatik pauke und über Themen quatsche, die mich nicht interessieren. Erst, als ich später in die USA gehen wollte, fing ich an zu lernen und begriff, wie es wirklich funktioniert.


Man lernt eine Sprache nicht einmal pro Woche in der Schule – man muss mit der Sprache leben

Sprachen sind wie Menschen. Trifft man diese flüchtig, kennt man gerade einmal ihr Aussehen, aber nicht ihr inneres. Nach einer Weile vergisst man den Menschen wahrscheinlich wieder, kennt weder Namen noch Gesicht. Verliebt man sich jedoch in eine Person, dreht sich das ganze Leben um diese. Man wird regelrecht süchtig danach und denkt den ganzen Tag an die Person. Selbst 50 Jahre später wird man sich an das Gesicht erinnern, an die Eigenheiten, an die schönen Momente und auch an die nicht so schönen Erinnerungen. Eine Sprache ist wie eine Beziehung. Möchte man diese Sprechen, muss man bereit sein, diese kennenzulernen und mit ihr zusammenleben. Sprich, man muss am Anfang täglich mit dieser kommunizieren, sie pflegen und an sich ranlassen. Nach und nach wird es einfacher, später genügt es, wenn man sich nur noch einmal pro Woche mit ihr beschäftigt, weil man die Grundlagen kennt und einige andere Dinge von alleine begreift. Erst, als ich dies verstand, konnte ich eine Sprache wirklich lernen.


Nach und nach bilden sich neue Nervenbahnen – und die Sprache wird lebbarer im Kopf

Es ist bei allen Dingen so, an die wir uns nach einer Weile gewöhnen. Aus diesem Grund ist „Schluss machen“ für die meisten Menschen eine Tragödie. Auch, wenn man einen Menschen schon hasst, ist dieser plötzlich nicht mehr da, fehlt etwas. Dies liegt daran, weil das Gehirn sich daran gewöhnt hat, dass immer jemand da ist. Der Bereich „Partnerschaft“ ist plötzlich leer und dieser baut sich erst nach und nach wieder ab. Bei Sprachen ist es ähnlich. Je mehr man sich mit der Sprache beschäftigt, desto mehr Bereiche werden angelegt und diese füllen sich und vernetzen sich. Es wird zur Gewohnheit und somit sickert die Sprache auch ins Langzeitgedächtnis. Dies mag neurologisch nicht korrekt erklärt sein, ich möchte es so darstellen, dass es jeder meiner Leser versteht.

Wer nur einmal pro Woche in einen Kurs geht, wird niemals die „Sprachräume“ im Gehirn aktivieren. Am Anfang sollte die Euphorie wirklich stark sein. Es geht nicht darum, 20 Vokabeln auswendig zu lernen. Zu Beginn macht es Sinn, im Hintergrund die Sprache laufen zu lassen. Beim Hören legen sich bereits eigene „Sprachräume“ an. Deswegen heißt es auch immer, man solle ins Ausland gehen und dort die Sprache lernen.

Seht es von dieser Perspektive und ihr werdet euch in Zukunft viel leichter tun, wenn es um das Sprachen lernen geht. Es ist ganz normal, dass am Anfang nichts hängen bleibt, weil die Straßen und Räume im Kopf noch nicht fertig sind. Wer Geduld hat und sich dies immer vor Augen hält, wird nach und nach Erfolge feiern. Plötzlich macht es Klick und der Vokabel hängt im Kopf. Ganz ohne Anstrengung. So einfach kann Sprachen lernen sein, wie ein Kind, dass seine Muttersprache erlernt.

Auf meinem Blog findet ihr noch mehr neurologische Themen und ich gebe Tipps für den Alltag:

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